Einmal pro Monat, gewöhnlich eine Woche vor Neumond, hat man im Nord-Westen Costa Rica’s, am Strand von Ostional, die Gelegenheit ein einmaliges Naturspektakel zu beobachten – die „Arribada“ von Ostional.

In der Regel dauert eine Arribada 3-7 Tage an – in dieser Zeit kommen hunderte, oft tausende, Schildkröten an Land um ein Loch zu graben und anschließend Eier zu legen. In Ostional kann man das ganze Jahr über Meeresschildkröten beobachten, doch die beste Zeit ist während der Regenzeit von Juli bis Dezember. Zu dieser Zeit ist die Zahl der an Land kommenden Schildkröten um einiges höher als während der Trockenzeit. Die größte Arribada die je in Ostional gesehen wurde fand im November 1995 statt und umfasste ca. 500.000 Schildkröten. Gewöhnlich kommen die Meeresbewohner in der Nacht, da sie zu dieser Zeit am besten von ihren Feinden geschützt sind. Doch während einer Arribada kann man die Tiere im Morgengrauen und oftmals auch während des ganzen Tages bei Sonnenschein beobachten.

Schildkröten kommen gewöhnlich an die Küste, bis zu jenem Punkt, wo das Wasser auch während der Flut nicht hingelangt, so dass die Eier vom Meer geschützt sind. Sind sie weit genug an Land, benutzen sie ihre Flossen um ein Loch zu graben und anschließend 80-120 weiche, weiße Eier zu legen. Während des Eier-Legens befinden sie sich in einer Art Trance-Zustand – jegliche Geschehnisse in unmittelbarer Nähe werden nicht mehr wahrgenommen, der ganze Fokus liegt bei den Eiern. Anschließend werden erneut die Flossen benützt um das Loch, in dem die Eier liegen, mit Sand zuzuschütten um sie vor Feinden, wie Krabben, Hunden, Jaguare oder Geiern zu schützen. Die ganze Prozedur dauert in der Regel 1-2 Stunden und ist außerordentliche anstregend für Schildkröten. Während einer Arribada in Ostional werden bis zu 10 Millionen Eier gelegt.

Überraschenderweise ist der Strand von Ostional der Einzige auf der Welt, an dem das Ausgraben von Eiern von Einheimischen gestattet ist. Wissenschaftler fanden heraus, dass während einer Arribada jene Eier, die in den ersten drei Tagen gelegen werden, an den weiteren Tagen von anderen Schildkröten zerstört werden. Daher dürfen Einheimische innerhalb der ersten drei Tage Eier ausgraben und verkaufen. In einigen Regionen Costa Rica’s zählen Schildkröteneier als Delikatesse – der Preis für 200 Eier liegt bei ca. USD 10. Das Ernten der Eier wird streng kontrolliert und überwacht. Als Gegenleistung hilft man den Strand stets sauber zu halten um den Schildkröten ein möglichst natürliches Umfeld schaffen zu können.

Gewöhnlich schlüpfen die Babyschildkröten in der Nacht ca. 45-55 Tage nachdem die Eier gelegt wurden. Abhängig von der Temperatur kann man auch sehen, wie sie während der Tageszeit schlüpfen – gewöhnliche bevorzugen sie ein kühleres Klima. Sobald die Jungen geschlüpft sind, riechen sie das Meer und wissen sofort wo die Reise hingeht. Will man den Kleinen helfen, sollte man sie nicht nehmen und zum Meer tragen – sie müssen gleich nach der Geburt ihre Lungen und Flossen stärken, um später im Meer überleben zu können. Von allen gelegten Eiern schaffen es in der Regel nur ca. 0-1% zu überleben. Der gefährlichste Feind is nach wie vor die menschliche Spezies. Doch jene Schildkröten, die es schaffen zu überleben, wissen wo sie geborgen wurden und kommen Jahre später zurück, genau an den gleichen Ort, um erneut Eier zu legen, wie es einst ihre Mütter taten.

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